Das Problem ist so alt wie der PC selbst: Je länger Sie einen Computer benutzen, desto langsamer wird er. Aber warum ist das so? Und was können Sie dagegen tun?


Je mehr Gewicht Sie in Ihr Auto laden, desto länger braucht es von 0 auf 100 km/h. Dies gilt auch in der digitalen Welt – je mehr Programme Sie auf einem PC installieren, desto mehr digitales Gewicht muss er tragen und desto langsamer wird er. Das liegt nicht an Windows. Und Ihr PC wird auch nicht „abgenutzt“, indem Sie ihn benutzen. Es liegt an all diesen Programmen, Testversionen, Spiele, Toolbars, Widgets und und und, die Sie im Laufe der Zeit herunterladen und installieren.

Mehr digitale Last bedeutet weniger Leistung

Windows selbst ist nicht gut darin, Benutzer auf digitale Last und die damit verbundenen Probleme aufmerksam zu machen. Es sagt Benutzern nicht, welche selten genutzten Programme sie loswerden sollen. Meist fragen sich Benutzer erst lange nach dem Auftreten von Problemen „Warum ist mein PC so langsam?“ oder ärgern sich: „Mein Windows ist gerade wieder abgestürzt!“

Beginnen wir also mit dem ersten Missverständnis bezüglich der Verlangsamung von PCs: Viele Benutzer denken, dass ihr PC durch alles, was sie auf der Festplatte ablegen, wie von Zauberhand verlangsamt wird.

Nun, nicht wirklich.

Die Installation eines Programms auf Ihrem Computer bedeutet in vielen Fällen, dass dieses etwas Platz auf Ihrer Festplatte belegt. Für sich allein genommen hat dies bei den heutigen riesigen Festplatten nur selten nennenswerte Auswirkungen. iTunes nimmt beispielsweise 188 Megabyte auf meiner Festplatte ein (nur das Programm, ohne Musik). Selbst ein Schwergewicht wie PhotoShop benötigt nur 1,8 Gigabyte auf meiner Festplatte. Da ich eine 512-GB-Festplatte habe, ist das weniger als ein halbes Prozent meines Speicherplatzes. Also nicht wirklich ein Problem. Außerdem „sitzen“ diese Programme lediglich auf Ihrer Festplatte und warten darauf, dass Sie sie starten und benutzen.

Aber wie nimmt dann die digitale Last zu?

Kommen wir zum eigentlichen Problem: Viele Programme wie iTunes oder PhotoShop installieren Softwarekomponenten, die bei jedem Einschalten des Computers ausgeführt werden. Dazu gehören:

  • Dienste: In Verbindung mit der Anwendung bieten Dienste grundlegende Funktionen wie das Aktualisieren der Produkte. Beispielsweise installiert Adobe Reader einen Adobe Updater, der häufig nach Updates sucht. Wenn Sie einen Grafikchip von NVIDIA besitzen, wird der NVIDIA Streaming Service installiert, mit dem Sie Spiele auf andere Computer in Ihrem Heimnetzwerk streamen können. Saubere Funktionalität? Natürlich! Sollte sie immer im Hintergrund laufen? Nein!

    Und das ist nicht der einzige Übeltäter. Hier ist eine kleine Liste der aktiven Dienste auf meinem gepflegten PC: Systemkonfigurationsmenü
  • Geplante Aufgaben: Diese werden in der Regel von Hintergrundanwendungen ausgeführt, die mit Windows oder einer anderen von Ihnen installierten Software geliefert werden. Allerdings werden diese Aufgaben meist dazu verwendet, Aktionen zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Situationen durchzuführen. Die Dropbox-App auf Ihrem PC verwendet beispielsweise eine geplante Aufgabe, um jeden Tag um 17:50 Uhr Ortszeit nach Updates zu suchen.
  • Systemstartelemente: Dies sind zusätzliche Programme, die bei jedem Einschalten des PCs gestartet werden. Während jedoch Dienste und geplante Aufgaben meist verborgen im Hintergrund ausgeführt werden, sind Systemstartelemente eher „sichtbar“, weil sie in der Taskleiste erscheinen: Taskleiste

Beliebte Beispiele sind Skype, DropBox, OneDrive, OneNote und Antivirus-Programme. Sie werden in Ihrer Taskleiste angezeigt und ermöglichen Ihnen in der Regel einen schnellen Zugriff auf ein Programm oder eine Einstellung.

Für sich allein genommen verlangsamen diese Dienste, Aufgaben oder Systemstartelemente Ihren PC nicht in nennenswertem Maße. Aber der kumulative Effekt des Hinzufügens von immer mehr solcher Funktionen kann eine ernsthafte Beeinträchtigung der Leistung nach sich ziehen. Folgende Probleme treten auf:

  • Weniger Speicher für aktive Prozesse -> Ihr PC wird langsam!
  • Höhere Belastung führt zu mehr Wärmeerzeugung und Energieverbrauch -> Ihr PC läuft langsamer, um eine Überhitzung zu vermeiden, und Ihrem Laptop geht früher die Akkuladung aus.
  • Windows® wird langsamer, da es sich auf Hintergrundaufgaben konzentriert und nicht auf das, was Sie tun.

Soooooooo laaaaangsam

In einem Experiment, das ich kürzlich durchgeführt habe, habe ich eine hohe Anzahl an Anwendungen auf einem älteren und einem neueren PC installiert. Die Ergebnisse waren erschütternd. Beide Geräte litten unter dem zusätzlichen Gewicht. Hier ist ein Auszug:

  • Asus Zen Ultrabook aus dem Jahr 2015: Die Startzeit stieg von rasend schnellen 9 Sekunden auf 39 Sekunden.
  • Auf einem HP Spectre x360 Ultrabook fiel das Spiel Grand Theft Auto V auf träge 25 Bilder (Frames) pro Sekunde statt 30.
  • Auf einem alternden Sony Vaio Laptop von 2011 zeigte das Geschwindigkeitstestprogramm PCMark (siehe meinen Beitrag zu Benchmarking), das die Leistung in Office- und Multimedia-Anwendungen testet, eine deutliche Verlangsamung: Der PCMark-Wert lag bei 2196 Punkten in einem sauberen Zustand und nur 901 Punkten unter Last. Weniger als die Hälfte der Leistung.

Aber selbst auf echten High-End-PCs war ich überrascht, welchen Einfluss die Anzahl an Apps auf Geschwindigkeit, Temperatur und Akkulaufzeit hatte. Beim Laden des Spiels Alienware Area 52 R2 auf einen Gaming-PC und auf ein voll konfiguriertes Microsoft Surface Book wurde der Effekt deutlich sichtbar:

Drei Sätze von Balkendiagrammen

Die Abbildung auf der linken Seite zeigt, dass aufgrund des zusätzlichen Gewichts laut PCMark-Testtool 15 % mehr Zeit benötigt wird, um Filtereffekte auf ein Foto anzuwenden. Scheint nicht viel zu sein für eine einzige Aufgabe, oder? Aber wenden Sie diese Verlangsamung auf alles an, was Sie täglich tun, und Sie haben es mit einem großen Produktivitätsklotz am Bein zu tun. Das mittlere Diagramm zeigt, dass die Temperatur von durchschnittlich 29 °C im Leerlauf auf 35 °C gestiegen ist – laut SiSoft Sandra, einer komplexen Diagnoseanwendung. Das liegt an der ununterbrochenen Aktivität, da der Prozessor und die Festplatten aufgrund der hohen Belastung nie wirklich in den Ruhezustand wechseln konnten. Dies belastet die Hardware unnötig. Die Abbildung rechts zeigt, wie die Akkulaufzeit – aufgrund der erhöhten Aktivität – laut PCMark-Tool von 310 Minuten auf 240 Minuten abgesunken ist. Das ist mehr als eine Stunde!

OK, alles klar – was kann ich dagegen tun?

Zum Glück gibt es ein paar Dinge, die Sie tun können, um dieses Problem zu beheben. Das übergeordnete Thema: Vorbeugung ist die beste Medizin! In diesem Sinne:

  • Denken Sie nach, bevor Sie installieren. Bevor Sie irgendeine Software installieren, denken Sie gründlich darüber nach, ob Sie sie tatsächlich benötigen oder ob Sie sie regelmäßig verwenden wollen. Wenn Sie sie nur einmal benötigen, deinstallieren Sie sie nach Gebrauch.
  • Denken Sie an die lebensverändernde Magie des Aufräumens. Gehen Sie die Liste aller installierten Programme durch und entscheiden Sie, welche Sie noch benötigen. Wenn Sie sie nicht brauchen – raus damit!
  • Reduzieren Sie die Anzahl der Startanwendungen. Vergewissern Sie sich, dass nur die notwendigsten Startanwendungen automatisch geladen werden, wenn Sie Ihren PC einschalten. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag über die Verbesserung der Startzeiten auf Ihrem PC.
  • Erstellen Sie System-Backups! Ich erstelle häufig vollständige System-Backups, nachdem ich meinen PC neu installiert und konfiguriert habe. Wenn etwas schiefgeht, kann ich immer in einen früheren Zustand zurückkehren. (Wie das funktioniert, zeige ich Ihnen in einem späteren Beitrag!)

Nicht zuletzt finden Sie auf AVG Signal in unserem Performance-Bereich Artikel darüber, wie Sie die Geschwindigkeit steigern, die Akkulaufzeit verlängern und Ihren Rechner wieder auf Trab bringen können – oder lesen Sie unseren ultimativen Leitfaden zum Thema Bereinigen und Beschleunigen Ihres PCs

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