Es ist fast zwei Jahre her, dass wir unseren Artikel über 5 Leistungsmythen veröffentlicht haben. Höchste Zeit also, einen weiteren zu schreiben. Ich habe mich auf einigen etwas zwielichtigen Windows-Optimierungs-Websites umgeschaut und ihre Vorschläge zur Geschwindigkeitserhöhung auf unseren Testrechnern ausprobiert.

1. Startprogramme deaktivieren

 Seit mehr als 20 Jahren verbreiten Bücher, Zeitschriften und Websites diesen uralten Optimierungstipp: Deaktiviert die verflixten Startanwendungen! Mit der Einführung des berühmt-berüchtigten Windows 95 wurde der Ordner „Start“ eingeführt und bot Benutzern und (meist) Softwarefirmen eine einfachere Möglichkeit, Software automatisch zu starten – was die Startzeit verkürzte und die Leistung verbesserte.

Also ... Trommelwirbel ... Hält dieser 20 Jahre alte (und das ist in IT-Jahren uralt) Ratschlag einer Überprüfung stand? Ja! Das Deaktivieren unnötiger Programme, die beim Start automatisch ausgeführt werden, ist eine der effektivsten Möglichkeiten, die Zeit für das Hochfahren zu verkürzen. Einige Anwendungen von Drittanbietern können den Vorgang erheblich verlangsamen. Dies hängt natürlich von Ihrem System ab. Aber es ist immer eine gute Idee, die Einträge in der Startliste durchzugehen und einige der Programme loszuwerden, die Sie nie oder selten verwenden. Und wenn das Entfernen einiger Anwendungen die Startzeit nicht beschleunigt, kann es dennoch lästige Popups reduzieren, die über Aktionen informieren, die für Sie nicht von Belang sind.

schneller-als-vorher

Testergebnisse

Nach dem Test auf vier PCs lautet unser abschließendes Urteil: WAHR

2. Statische IP-Adresse festlegen

Dieser Rat stammt aus dem Zeitalter, in dem der Empfang einer IP-Adresse vom Router zu einer spürbaren Verzögerung der Startzeit führte, während der das Ausführen von Aufgaben nicht möglich war. Die Lösung bestand darin, eine statische IP manuell festzulegen (entweder auf Ihrem PC oder Ihrem Router), sodass Sie keine automatische IP zugewiesen bekamen.

In meinen Tests sah ich absolut keine Verbesserungen bei der Verwendung einer festen IP-Adresse im Vergleich zur dynamischen Zuweisung. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich Betriebssysteme, Router, WLAN/Ethernet-Adapter und Treiber seit dem ersten Auftauchen dieses Tipps deutlich verbessert haben.

Abschließendes Urteil: FALSCH

3. Arbeitsspeicher vergrößern

Das Hinzufügen von mehr Arbeitsspeicher soll sich positiv auf die Startzeit auswirken. Klingt logisch, aber ist es tatsächlich wahr? Teils-teils!

Wenn Sie weniger als 4 Gigabyte RAM haben, dann ja: Die Startzeit könnte dadurch ziemlich verkürzt werden. Aber sobald Sie mehr als 4 GB haben, geht der Nutzen gegen null. Hier ist der Beweis: Ich habe den Windows Performance Analyzer verwendet, um die gesamte Startzeit (vom Einschalten bis zum Abschluss des Ladevorgangs aller Daten) für Windows 8.1 zu messen.
Dann beschränkte ich den Arbeitsspeicher auf 1 GB, 2 GB und 4 GB:

Bootzeit gesamt Test

Bis zu 4 GB gilt: Je mehr Speicherplatz verfügbar ist, desto schneller ist die Startzeit. Aber bei 8 GB und 16 GB dauerte es jeweils 17 Sekunden, also genau so lang wie bei 4 GB, um den Desktop in Windows 7/10 oder den Startbildschirm in Windows 8.1 anzuzeigen. Bei der Verwendung von Performance Analyzer dauerte der gesamte Startvorgang insgesamt 135 Sekunden.

Abschließendes Urteil: FALSCH bei 4 GB und mehr

4. Windows-Dienste verzögern

Windows lädt während des Startvorgangs eine beträchtliche Anzahl von Diensten und ihre Deaktivierung soll Ihnen einen echten Geschwindigkeitsschub verleihen – besonders während des Startvorgangs. Deshalb gibt es Hunderte von selbsternannten „Optimierungs“-Seiten mit Listen der Dienste, die Sie deaktivieren können.

Was steckt dahinter? Bremsen Sie die Dienste wirklich aus? Nun, Dienste sind die Teile Ihres PCs, die Funktionen wie Windows Updates, Geräteerkennung, Bluetooth-Fähigkeit usw. übernehmen. Es gibt nur eine Handvoll Dienste, die deaktiviert werden können, ohne kritische Funktionen zu beeinträchtigen. Viele Websites empfehlen stattdessen, Windows-Dienste mit der Anwendung „services.msc“ zu verzögern und den Starttyp auf „Automatisch (verzögerter Start)“ zu setzen, damit sie etwas später geladen werden.

Ich habe das getestet und versucht, 42 Dienste auf meinen Testrechnern von „Automatisch“ auf „Automatisch (verzögerter Start)“ umzustellen. Windows ließ das nur für 17 zu und erlaubte glücklicherweise nicht die Startverzögerung einiger wichtiger System- und Sicherheitsdienste, z. B. des Basisfiltermoduls, das für die Windows-Firewall erforderlich ist.

Fehler 87

Das Ergebnis?

Gesamte Startzeit beim Test

Keine Verbesserung! Ich erwartete, dass die Desktops mindestens ein paar Sekunden früher angezeigt würden, da Windows nicht alle Dienste gleichzeitig in den Arbeitsspeicher geladen hat – aber das war nicht der Fall. Stattdessen zeigte der Windows Performance Analyzer, dass sich die gesamte Startzeit auf einem Testrechner um vier Sekunden und auf dem anderen um zwei Sekunden verlängerte.

Woran liegt das? Windows war so effektiv bei der Ausführung gleichzeitiger Aufgaben während des Startvorgangs, dass eine Verzögerung der Dienste keinen positiven Effekt hatte. Tatsächlich wurde die gesamte Startzeit dadurch verlängert.

Abschließendes Urteil: FALSCH

Vergessen Sie die Mythen: Hier ist der einfachste Weg, den Systemstart zu beschleunigen.

Wie aus den obigen Ergebnissen hervorgeht, können Sie die meisten Optimierungsmythen getrost ignorieren. Informieren Sie sich stattdessen über unsere Tipps und Tricks zur Leistung oder holen Sie sich AVG PC TuneUp (funktioniert tatsächlich), um die Leistung wirklich zu verbessern.